11 Tipps für eine gute Tantramassage oder für ein gutes Berührungsritual

11 Tipps für eine gute Tantramassage oder für ein gutes Berührungsritual
11 Tipps für eine gute Tantramassage / Berührungsritual

Es soll klar sein, dass ein offenes Herz und die Liebe die wichtigste und zugrunde liegende Regel ist. Was ist aber sonst noch wichtig bei der Tantramassage? Und wie kann man die Lust, die Energie verstärken, verlängern und nützlich machen? Denn schliesslich geht es in der Tantramassage oder in einem Berührungsritual um die Evolution des Bewusstseins, also um die Transformation und Sublimierung der Lust.

1. Sinnlichkeit

Pass auf die Sinne auf, schau immer wieder, was Du fühlst! Dies kann bei Tantrikern nicht oft genug wiederholt werden, denn die Sinne und die Gefühle sind Grundsteine einer ehrlichen und einfühlsamen Tantramassage. Die beste, herrlichste, interessanteste und professionellste Technik oder Choreographie wird sofort zur toten mechanischen Bewegung, wenn sie nicht mit der ganzen Körper gespürt wird. Darum gilt die Sinnlichkeit als Mass nicht nur für die Qualität einer Tantramassage, sondern im Sexualleben überhaupt.


2. Achtsamkeit

Sei sehr achtsam! Egal, was Du machst. Sei voll und ganz dabei! Nehme wahr, was gerade, hier und jetzt passiert. Tantramassage ist Meditation, genauso wie jede andere bewusste Handlung. Achtsam sein bedeutet aber nicht unentschieden sein oder in Gedanken versunken sein; im Gegenteil: es ist spontanes körperliches Da-sein. Spontanität und Achtsamkeit gehen Hand im Hand. Du kannst Dich einfach konzentrieren und das Maximum an Aufmerksamkeit in die Berührung investieren, die Du gerade vollziehst. Das einzige Wahre passiert HIER und JETZT, also im Körper und im Geist, die sich verschmelzen, nicht bloss in Gedanken. Darum wieder: weniger denken und mehr fühlen!


3. Unerwartete und Ungewöhnliche

Standardpraktiken führen Tantramassage in die Hölle. Den Sex übrigens auch. Auch wenn es bestimmte etablierte Techniken gibt, die die Lust erwecken und die Erregung steigern, bedeutet das noch lange nicht die Qualität der Sache, und schon gar nicht die Spiritualität. Der Eros lebt in ständiger Erneuerung und besitzt grenzenlose Phantasie, nicht umsonst ist er der Gott der Liebe. Und die Liebe kann weder Standard noch eintönig sein, sie wird immer neu geboren und kreiert. Daher: hab kein Bedenken seltsam oder komisch zu wirken, sondern mach die verrückteste Sachen, die Dir gerade einfallen. Es ist genau richtig so!


4. Zärtlichkeit und Sensibilität

Diese Beide bilden noch ein Barometer für die Qualität der körperlich-sexuellen Nähe. Subtilität und Zärtlichkeit, präzise Liebe zu den kleinsten Details — das ist der tantrische Luxus pur, Deine exklusive Marke. Je zärtlicher ist Deine Berührung, desto höher ist Deine Meisterschaft. Es ist wie grober billiger Schmuck im Vergleich zu Kristallen von Svarowsky, wie Glas und Brillianten, H&M und Versace. Der häufigste Irrtum von manchen Anhängern in der Erotik-Branche, die den Tantra-Begriff immer wieder missbrauchen, ist, dass die Grobheit erregt. Es ist nicht so, vor allem im tantrischen Bereich nicht! Und auch wenn es in manch einer Tantramassage um die Macht oder Geilheit gehen darf, sind Zärtlichkeit und Sensibilität absolut notwendig. Nicht umsonst bedeutet die Etymologie des Wortes Zärtlichkeit in der indogermanischen Sprachen „Schmerzen“.


5. Langsam sein!

Eine langsame Berührung stimuliert Sinnlichkeit, Achtsamkeit und Zärtlichkeit. Ohne langsam sein zu können sind sie nicht möglich. Je erfahrener der Tantra-Masseur oder die Masseurin ist, desto langsamer massieren sie. Und desto präziser ist ihre persönliche Sexualität. Du brauchst Dich nicht beeilen, wenn Dir als Tantriker/in so oder so die Ewigkeit gehört. Aber auch im schlimmsten Fall, wenn Du die Massage zynisch angehst und mehr für das Geld massierst als für die Liebe, musst Du Dich nicht beeilen, denn Deine Zeit ist ja schon bezahlt. Versuch lieber mit dem Mensch ganz da zu sein, der gerade da ist. Es wird ihm und Dir jedenfalls mehr geben als Dein volles Programm, das Du schnell durchläufst.


6. Verspieltheit

Gehe spielerisch heran! Das Spiel kann als eine Wette verstanden werden, in der es Gewinner und Verlierer gibt (agon), aber auch als eine Praxis, die jenseits der Realität sich entfaltet (z. B. Theaterspiel, Rollenspiel). Umkleiden, Maske, Annahme einer Rolle bedeuten nicht nicht mehr sich selbst zu sein. Die Lust, die Sexualität werden aufgrund der Wechsel der Identität lebendig, ganz abgesehen von Tantra-Ritualen, die mit der vollkommenen Verlust der Identität operieren und damit ein Spiel par excellence sind.


7. Verführung

Die Verführung oder die Courage ist eine ziemlich komplexe, aber notwendige Komponente einer professionellen Tantramassage. Vor allem den männlichen Masseuren fällt die Verführung oft schwer. Nutze Dein Intellekt, Stil, Eleganz, Schminke, Mimik. Lies Deinem Gast etwas von F. Sagan, J. Baudrillard oder Anais Nin vor, wenn Dir nichts besseres zur Einstimmung einfällt. Spiele ein Musikinstrument oder eine Klangschale. Du muss aber erotisches Interesse Deines Gegenübers nicht nur erwecken, sondern auch während der ganzen Massage ständig aufrecht erhalten können.


8. Grenzerweiterung

Verwechsle nie die Grenzerweiterung mit der Grenzverletzung und die Auflösung von Tabus mit einem Tabu-Bruch. Schäme Dich nicht ganz ganz vorsichtig über bestimmte eigene Grenzen zu gehen, um sie zu erweitern. Alle wissen, dass die verbotene Früchte am besten schmecken. Daher machst Du es eben dann richtig, wenn Du trotz der Angst gerade das machst, was Deine Grenzen erweitert ohne die Grenzen des Empfängers zu verletzen. Die Erlaubnis ist bei der Tantramassage per se da. Wenn etwas sich nicht angenehm anfühlt, wird der Gast es sofort sagen oder zeigen. Gehe dann aber sehr achtsam damit um und höre sofort auf!
Vorsicht ist geboten. Zu schnelle und zu scharfe Aktionen können ins Gegenteil schlagen. Und, wiederum: weder wird ein hübsches Mädchen gegen leichtes Hinternklatschen protestieren noch wird ein Mann anale Liebkosungen zurückweisen, wenn Du sie aufmerksam, zärtlich, langsam und elegant angehst.


9. Emotionen ausdrucken!

Scheue es nicht Töne und Geräusche zu machen, zu stöhnen oder laut zu atmen. Du kannst sogar schreien, weinen oder singen. Sag ein Kompliment oder ein Schimpfwort, aber druck Dich aus, folge Deinen Impulsen. Lass auch andere Sinne mitspielen, z. B. Riechen und Geschmacksinn. Der Tastsinn und die Augen sind sehr wichtig, aber die Musik, die Gerüche und der Geschmack bilden beim Tantra-Ritual die Pointe, machen es exklusiv, zum etwas ganz Besonderen. Sinnlich-emotionell zu sein ist der Schlüssel zur tantrischen Offenheit.


10. Präzise Partnerwahl

Wenn Tantramassage Deine wirkliche Berufung und Dein Brot ist, sollst Du Dich fast jedem körperlich und geistig öffnen, der zu Dir kommt. Schliesslich geht es um das Göttliche in jedem Mensch. Wenn Tantramassage aber zu Deinem Lebensstil gehört oder nur dein Hobby ist, dann springe nicht auf die Matratze mit jedem und jeder, der/dem Du begegnest, auch wenn Du gerade auf der erotischen Wellenlänge bist. Auch im profanen Sex– oder Liebesleben lohnt sich eher auf Deine Prinzessin zu warten anstatt mit jeder Dirne zusammen zu kommen; genauso oder noch präziser ist es im spirituellen Bereich. Sei wählerisch. Investiere alle Energien, um Interesse des Menschen zu gewinnen, zu dem Dein Herz ein sicheres »ja« sagt und den Du am meisten begehrst. Deine Anstrengungen werden sich spätestens mit der besten Massage Deines Lebens ganz bestimmt löhnen.


11. Qualität vor Quantität!

Daran muss man sich immer halten. Wichtig: Tantra ist der Weg der Verzicht. Aber auch eine intensive Quickie ist viel spannender als langweilige dreistündige Gepolter. Eine geliebte Frau ist schöner als Tausend ungeliebte, an kurze und starke Gefühle erinnert man sich länger als an lange und langweilige. Hab keine Angst in der Quantität zu verlieren, strenge sich an um die Qualität zu erreichen.

© Elias Kirsche. Zürich 2015.